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Kinder haften für ihre Eltern!

Im Bürgerlichen Gesetzbuch § 1601 steht: „Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren.“

 

Und damit betrifft das Thema Unterhalt nicht nur Eltern, die für ihre Kinder zahlen müssen. Es betrifft eben auch Kinder, die für ihre bedürftigen Eltern zahlen müssen. Bedürftig sind deine Eltern allerdings nur, wenn Sie außerstande sind, sich selbst zu unterhalten z.B. weil Sie in ein Pflegeheim müssen und ihr Vermögen oder ihre Rente dafür nicht ausreichen. Die Sozialämter bitten dann dich und mögliche Geschwister zu Kasse. Hier erfährst du, wann du dir über dieses Thema Gedanken machen solltest und wie du dich darauf vorbereiten kannst ...

Wann solltest du dir über Elternunterhalt Gedanken machen?

Haben deine Eltern gut vorgesorgt, bekommen eine Rente und/oder haben eigenes Vermögen, werden sie mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht finanziell bedürftig. Ist bereits jetzt anzunehmen, dass deine Eltern nicht für die entstehenden Pflegekosten aufkommen können, solltest du bereits heute vordenken und dich mit dem Thema beschäftigen.

 

Wie hoch können die Pflegekosten sein?
Die Kosten sind natürlich abhängig vom Heim, der Lage, der Zimmeraustattung und vielen weiteren Faktoren. Im Durchschnitt belaufen sich die Kosten für einen Pflegeheimplatz in Deutschland - ohne anerkannten Pflegegrad - auf ca. 3.000 Euro im Monat.

 

Je nach Pflegegrad kommen weitere Kosten hinzu!

 

In Berlin müssen für ein durchschnittliches Pflegeheim in Pflegegrad 3

ca. 3.800 Euro monatlich aufgebracht werden.

Was zahlt die Pflegeversicherung?

 

Ist ein Pflegegrad anerkannt, beteiligt sich die Pflegepflichtversicherung an den Kosten. Je nach Pflegegrad und abhängig von der Art der Pflege (Pflegeheim oder häusliche Pflege) werden feste monatliche Beträge ausgezahlt. Es kommt hierbei nicht auf die tatsächlichen Kosten an.

 

 

Im Durchschnitt reicht die Beteiligung der Pflegepflichtversicherung, um die Hälfte der Kosten für ein Pflegeheim zu decken. Vor allem in Großstädten können Pflegeheime aber durchaus teurer sein. Dann steigt natürlich die Eigenbeteiligung.

 

Bei Pflegegrad 3 beteiligt sich die Pflegepflichtversicherung

mit 1.262 Euro monatlich an den Kosten des Pflegeheims.

 

In dem Beispiel aus Berlin wären die Pflegeheimkosten in Höhe von 3.800 Euro nicht ansatzweise gedeckt, durch die Beteiligung der Pflegeversicherung. Deine Eltern müssten hier etwa 2.500 Euro im Monat zusätzlich bezahlen. Haben deine Eltern weniger als 2.500 Euro pro Person zur Verfügung oder werden Sie in der Rente weniger haben, könnte das Thema Elternunterhalt auf dich zukommen.  Sind es weniger als 1.500 Euro solltest du dich besser Gestern mit dem Thema auseinandersetzen.

Die Eigenbeteiligung von 2.500 Euro müssen deine Eltern zahlen. Können sie das nicht, bist du unterhaltspflichtig.


Wie wahrscheinlich ist es, dass deine Eltern pflegebedürftig werden?

In Jahre 2013 gab es in Deutschland 2,6 Millionen Pflegebedürftige im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). 2015 waren es bereits 2,9 Millionen und die Zahl wird in den kommenden Jahren noch deutlich anwachsen, denn wir werden immer älter. Während derzeit 21 Millionen Deutsche 60 Jahre und äter sind, werden es schon im Jahr 2030 fast 29 Millionen sein. Das Statistische Bundesamt hat berechnet, dass im Jahre 2030 mit etwa 3,37 Millionen Pflegebedürftigen zu rechnen ist. Das sind etwa eine Million mehr Pflegebedürftige als heute. 

 

Ob deine Eltern pflegebedürftig werden, hängt natürlich von vielen Faktoren ab zum Beispielt vom Geschlecht. Während Männer ab 90 Jahren ein Pflegerisiko von 28 Prozent haben, liegt es bei Frauen gleichen Alters bereits bei 67 Prozent.  Von dem Thema sind Frauen also durchaus häufiger betroffen, als Männer. Dies liegt allerdings auch daran, dass Frauen im Durchschnitt deutlich älter werden.

 

Ein jetzt 65 Jahre alter Mann wird im Durchschnitt 82 Jahre alt.
Eine jetzt 65 Jahre alte Frau wird im Durchschnitt 86 Jahre alt.

 

Das Alter ist ein weiterer entschiedener Faktor für das Pflegerisiko. Denn mit zunehmendem Alter wird es immer wahrscheinlicher, dass deine Eltern auf Hilfe angewiesen sind und Aufgaben des täglichen Lebens nicht mehr selbständig erledigen können.

  Frauen Männer
ab 80 Jahren 22 % 9 %
ab 85 Jahren 42% 16%
ab 90 Jahren 67% 28%

Neben dem Geschlecht und dem Alter spielen aber auch die individuelle Krankheitsgeschichte, das Körpergewicht, die Ernährung und die geistige und körperliche Fitness eine entscheidende Rolle.


Wann und wieviel musst du zahlen?

önnen deine Eltern die Kosten für ein Pflegeheim nicht aufbringen,  übernimmt der Sozialhilfeträger erst einmal die Zahlung der Kosten. Dieser schreibt dann alle Angehörigen an, die für den Pflegebedürftigen unterhaltspflichtig sind und stellt Fragen zur Einkommens- und Vermögenssituation. Hier sind Verwandte in gerader Linie zur Auskunft verpflichtet und müssen auf Verlangen über ihre Einkünfte und ihr Vermögen Auskunft erteilen.

1.Leistungsfähigkeit - §1603 BGB

 

Du bist laut Gesetzt nicht leistungsfähig, wenn du außerstande bist den Unterhalt zu gewähren. Außerstande bist du, wenn dein Einkommen bestimmte Grenzen unterschreitet und du keine weiteren Vermögenswerte besitzt. Wir stellen dir hier zwei Richtwerte zur Verfügung:

Single, ohne Kinder

Wenn du ein Nettoeinkommen von monatlich unter 1.800 Euro hast, bist  du nicht leistungsfähig.

Familie

Wenn ihr ein Nettoeinkommen von monatlich unter 3.240 Euro habt, seid ihr nicht leistungsfähig.

2. Härtefallregelung - §1611 BGB

Doch nicht alle Kinder müssen wirklich für ihre Eltern zahlen. Haben sich die Eltern schwere Verfehlungen zu Schulden kommen lassen, gibt es Ausnahmen von der Unterhaltspflicht. Diese sind im §1611 des Bürgerlichen Gesetzbuchs geregelt:

„Ist der Unterhaltsberechtigte durch sein sittliches Verschulden bedürftig geworden, hat er seine eigene Unterhaltspflicht gegenüber dem Unterhaltspflichtigen gröblich vernachlässigt oder sich vorsätzlich einer schweren Verfehlung gegen den Unterhaltspflichtigen oder einen nahen Angehörigen des Unterhaltspflichtigen schuldig gemacht, so braucht der Verpflichtete nur einen Beitrag zum Unterhalt in der Höhe zu leisten, die der Billigkeit entspricht. Die Verpflichtung fällt ganz weg, wenn die Inanspruchnahme des Verpflichteten grob unbillig wäre.“

Zu diesem Thema gibt es einige Entscheidungen des Bundesgerichtshofes. Sollte bei dir eventuell eine Härtefallregelung zutreffen, hast du die Möglichkeit zivilrechtlich gegen die Forderung des Elternunterhalts vorzugehen. Lasse dich hierfür allerdings besser von einem - auf Familienrecht  spezialisierten - Anwalt beraten.

HINWEIS:  Bei einigen Rechtsschutzversicherern bekommst du die Kosten für die Erstberatung oder sogar mehr erstattet. 

3.  Tod des Unterhaltsberechtigten

Der Elterunterhalt wird natürlich auch davon beeinflusst, wie lange deine Eltern die Leistungen in Anspruch nehmen. Tritt der Todesfall ein, bevor die Ansprüche bei dir geltend gemacht wurden, musst du in der Regel nicht rückwirkend zahlen. Bist du erst nach dem Tod deiner Eltern leistungsfähig geworden, musst du auch nicht rückwirkend für die aufgelaufenen Kosten zahlen.Hier gilt: Die Leistungsfähigkeit des Kindes und Bedürftigkeit des Elternteils müssen zur gleichen Zeit vorliegen!

 

 

Wenn du hierzu weitere Informationen möchtest, empfehlen wir dir folgenden Beitrag:

 


Was kannst du tun, um später nicht zahlen zu müssen?

Durch den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung können sich deine Eltern gegen die finanziellen Folgen einer Pflegebedürftigkeit absichern!

 

Das Problem: Die meisten Eltern sahen im Laufe Ihres Lebens keinen Sinn in einer privaten Pflegeversicherung. Sie haben lange gewartet und nun sind entweder die Angebote zu teuer, die Leistungen zu niedrig oder sie kommen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an den Versicherungsschutz. Somit ist das Thema für die meisten Eltern vom Tisch!

 

Hier solltest du unbedingt selbst die Fäden in die Hand nehmen und dich mit deinen Eltern und möglichen Geschwistern zusammensetzen. Denn es gibt einige Möglichkeiten den richtigen Schutz zu finden:

1. Pflegetagegeldversicherung 2. Pflegekostenversicherung

3. Pflegerentenversicherung

Die gängigste Art der Absicherung ist die Pflegetagegeldversicherung. Sobald dem Versicherer die Pflegebedürftigkeit nachgewiesen wurde, wird ein fest vereinbartes Tagegeld für jeden Pflegetag ausgezahlt. Die Höhe des Tagessatzes ist abhängig von den fünf Pflegegraden und davon, wie deine Eltern gepflegt werden (stationär oder häuslich). Dieses Pflegetagegeld wird unabhängig von den tatschlichen Kosten gezahlt.

 

Anders ist das bei der Pflegekostenversicherung. Hier beteiligt sich der Versicherer nach Abzug der gesetzlichen Pflegeversicherung anteilig an den Pflegekosten. Die entstanden Kosten müssen bei dieser Art der Absicherung immer über Rechnungen nachgewiesen werden. Ein hoher Bürokratie-Aufwand, der aber den Vorteil hat, dass sich die Erstattung erhöht, wenn es zu Preissteigerungen z.B. auf Seiten des Pflegepersonals oder bei den Medikamenten kommt.

 

Die Pflegerentenversicherung ist das teuerste Modell. Ähnlich wie bei einer flexiblen Pflegetagegeldversicherung kannst du die Höhe der monatlichen Rente je nach Pflegegrad selbst bestimmen. Diese Art der Pflegeabsicherung wird heute zum Beispiel als Zusatz zur Berufs-unfähigkeitsrente angeboten und ist besonders für junge Menschen attraktiv. Hier kannst du für deine Kinder vordenken und dir einen sehr günstigen Beitrag für eine absolut ausreichende Rente sichern.

Gibt es eine Gesundheitsprüfung?

Bei allen drei Arten der privaten Pflegeversicherung können die Versicherer Gesundheitsprüfungen durchführen, um das Risiko vor dem Vertragsabschluss festzustellen. Ist das Risiko überdurchschnittlich hoch, kann es zu Ausschlüssen oder Beitragszuschlägen kommen. Bei vielen Vorerkrankungen ist es auch denkbar, dass der Versicherer den Schutz ablehnt.

Welche Alternative gibt es ohne Gesundheitsprüfung?

Bei flexiblen Tarifen der Pflegezusatzversicherung kann der Versicherte individuell festlegen, wie hoch die Leistung je nach Pflegegrad ausfallen soll. Dafür müssen die oben beschriebenen Gesundheitsfragen ausgefüllt werden. Bei den sogenannten „Pflege-Bahr“ Tarifen können die Leistungen nicht individuell bestimmt werden. Es gibt allerdings auch keine Gesundheitsfragen d.h. der Versicherer muss deinen Eltern Versicherungsschutz gewähren.

 

Dennoch gibt es bestimmte Einschränkungen wie z.B. die Wartezeit. Diese beträgt ab Vertragsbeginn in der Regel 5 Jahre d.h. der Versicherer zahlt ab Beginn der Pflegebedürftigkeit – frühestens aber ab dem Ende der Wartezeit - die vereinbarten Leistungen. Für jeden der monatlich einen Mindestbetrag von 10 Euro einzahlt gibt es einen staatlichen Zuschuss von 5 Euro.

 

Eintrittsalter 50 Jahre

 

monatlich etwa

20 Euro

Eintrittsalter 60 Jahre

  monatlich etwa

30 Euro

Die Beiträge sind reine Richtwerte und natürlich abhängig von verschiedenen Faktoren. Gerne kannst du dich an uns wenden und deine Situation schildern. Gemeinsam finden wir mit Sicherheit das richtige Produkt für dich!

Wir freuen uns auf deine Anfrage.

Aylin & Sophie

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